Eine Entwicklung über Silhouette, Volumen, Gewicht und Funktion.
Warum unser Hoodie fast fertig ist, aber wir trotzdem nicht aufhören können, daran rumzubasteln
Die Frage, mit der alles anfing: Warum sehen die meisten Oversized-Hoodies aus, als hätte man einen normalen Hoodie in der Waschmaschine explodieren lassen?
Meistens wird einfach ein normaler Schnitt genommen und alles proportional größer gemacht. Schulter breiter, Körper länger, Ärmel dicker. Fertig ist der Sack.
Oversized, ja. Gut aussehend, eher nicht.
Also haben wir von vorne angefangen.
Monatelang.
Für einen Hoodie. Den H001.
01 — SILHOUETTE
Die Silhouette hat uns fast zur Weißglut gebracht
Breitere Schulter, mehr Volumen am Körper, großzügige Ärmel → aber am Handgelenk trotzdem kontrolliert, nicht wie ein Fallschirm. Nichts durfte einfach “größer” sein, alles musste zueinander passen. Klingt nach Erbsenzählerei. War es auch. Das Ergebnis: oversized, aber nicht formlos.
Ralph kann besonders gut stehen.
580–600 GSM.
Nicht, weil sich das cool liest.
Ein leichter Stoff sackt bei dieser Größe einfach in sich zusammen → das Volumen ist zwar da, sieht aber aus wie ein Handtuch nach dem Duschen. Unser Stoffgewicht gibt dem Ding die Substanz, die’s braucht, um seine Form zu halten. Schwerer heißt nicht automatisch besser.
Schnitt → Volumen → Materialgewicht → Struktur
Das Gewicht ist ein Bestandteil der Konstruktion, nicht das alleinige Qualitätsmerkmal.
Die Körperform des H001 (Arbeitstitel) ist großzügig, aber nicht einfach verlängert.
Gerade bei Oversized Hoodies entsteht schnell ein Problem: Wenn Breite und Länge gleichzeitig stark vergrößert werden, verliert der Körper seine ursprüngliche Balance. Das Kleidungsstück wird größer, aber nicht unbedingt interessanter.
Beim H001 liegt der Schwerpunkt deshalb stärker auf Breite und Volumen als auf zusätzlicher Länge.
Die Silhouette soll Raum geben, ohne den Körper optisch unnötig nach unten zu ziehen.
Links: Proportional alles vergrössert, dadurch wirkt der Körper in die länge gezogen. Mitte: Guter Schnitt, verliert aufgrund seines geringen Gewichts an Struktur (Saggy-fit). Rechts: Kurz, strukturiert, den Körper unterstützend.Das passt!
Wir haben die Kängurutasche versetzt. Ja, wirklich.
Klingt übertrieben, war’s wahrscheinlich auch. Bei den meisten Oversized-Hoodies sitzt die Tasche zu tief → die Hände wandern unnatürlich weit runter, die Haltung wirkt sofort weniger entspannt.
Bei uns sitzt sie höher und schmaler. Kleine Sache → Großer Unterschied, sobald man die Hände reinsteckt.
In beiden Fotos wurden die Hände in der Tasche “abgelegt“ und nicht in Position gehalten...das wär auf dauer zu anstrengend geworden.
Die Hood ist absichtlich riesig
Nicht aus Gemütlichkeit. Eine kleine Hood würde die ganze Silhouette aus dem Gleichgewicht bringen. Also: groß, stabilisiert die Schulterpartie, sieht dabei auch noch gut aus. Zwei Fliegen..
Und ja, es hält was aus
Je größer und schwerer ein Kleidungsstück wird, desto stärker wirken die Kräfte innerhalb seiner Konstruktion.
Verstärkte Nähte an den Stellen, die am meisten mitmachen müssen. Nicht überall komplizierter gemacht → nur da, wo’s zählt.
Hätten wir NICHT einfach einen großen Hoodie kaufen können?
Ja das hätte uns wohlmöglich 6 Monate, fünf Prototypen und eine Diskussion über Kängurutaschen um 2 Uhr morgens erspart.
Warum wir´s trotzdem nicht getan haben, wissen wir ehrlich gesagt selbst nicht mehr genau.
H001 STATUSSilhouette — fertig
Material — fertig
Konstruktion — fertig
Taschenposition — fertig
Hood — fertig
Fit — wird noch verfeinert
IIIIIIIIIIIIIII--- 90%